Kollaps des Ärztlichen Dienstes der Berliner Polizei droht
Der Ärztliche Dienst der Berliner Polizei steht offenbar vor dem Kollaps. Wie der rbb24 berichtet, warnt die Gewerkschaft der Polizei (GdP) vor einem Zusammenbruch des internen Dienstes. Von den 30 Vollzeitstellen seien aktuell nur 6,5 besetzt. Die Berliner Zeitung bestätigt diese Zahlen und berichtet ebenfalls von der drohenden Gefahr für die Funktionsfähigkeit der Polizei.
Der Ärztliche Dienst ist für die gesundheitlichen Untersuchungen der Beschäftigten bei Polizei und Feuerwehr zuständig, wie die Tagesschau unter Berufung auf den rbb24 erläutert. Dazu gehören beispielsweise Einstellungsuntersuchungen, Überprüfungen vor der Ernennung zum Beamten auf Lebenszeit und Wiedereingliederungen nach Krankheiten oder Verletzungen. Verzögerungen bei diesen Untersuchungen führen dazu, dass genesene Polizisten und Feuerwehrleute nicht in den Dienst zurückkehren können.
Neben den Einstellungsuntersuchungen ist der Dienst auch für die medizinische Begleitung von Einsatzhundertschaften bei Großeinsätzen zuständig, so der rbb24. Zusätzlich betreut er gesundheitlich angeschlagene Personen in Gefängnissen und Abschiebeeinrichtungen. Auch vor Abschiebeflügen werden die Betroffenen medizinisch untersucht.
Wie der rbb24 weiter meldet, bietet der psychosoziale Dienst psychologische Betreuung für Polizei- und Feuerwehrkräfte an. Diese Abteilung ist besonders wichtig für die Betreuung nach traumatischen Erlebnissen.
Die GdP erklärt die Unterbesetzung unter anderem mit den im Vergleich zur freien Wirtschaft schlechteren Verdienstmöglichkeiten, wie die Tagesschau berichtet. GdP-Sprecher Benjamin Jendro wird vom rbb24 mit den Worten zitiert: "Es war auch früher schon nicht leicht, ärztliches Personal für den Dienst zu gewinnen, weil Mediziner oftmals woanders mehr verdienen können." Laut Jendro habe man durch familienfreundlichere Arbeitszeiten versucht, gegenzusteuern, jedoch konnten seit 2020 nur noch maximal 50 Prozent der Planstellen besetzt werden.
Die Personalsituation im öffentlichen Dienst ist generell angespannt, wie ein Artikel der Tagesschau zu den Tarifverhandlungen im öffentlichen Dienst zeigt. Dort wird von Personalmangel und Überalterung berichtet, was die Attraktivität des öffentlichen Dienstes mindert.
Die Unterbesetzung führt laut GdP auch zu Problemen bei der Erstattung von Behandlungskosten nach Dienstunfällen. Wie rbb24 berichtet, gibt es aktuell 2.200 offene Rechnungen. Die Hälfte davon könne nicht bearbeitet werden, da Gutachten des Ärztlichen Dienstes fehlen. GdP-Chef Stephan Weh wird mit den Worten zitiert: "Das bedeutet, dass gut tausend Kolleginnen und Kollegen auf die Begleichung ihrer Rechnungen warten. Rechnungen, die nicht selten mehrere tausend Euro betreffen". Weh fordert von der Polizeiführung und der Innenverwaltung, über die Strukturen und die Verantwortlichkeiten zu sprechen.
Quellen:
- https://www.rbb24.de/politik/beitrag/2025/03/gewerkschaft-der-polizei-gdp-berlin-warnt-aerzteteam-kurz-vor-kollaps.html
- https://www.berliner-zeitung.de/mensch-metropole/exklusiv-drohender-kollaps-bei-polizeiaerzten-das-ist-der-grund-li.2304097
- https://www.tagesschau.de/inland/regional/berlin/rbb-gewerkschaft-warnt-vor-kollaps-des-polizeilichen-aerzteteams-102.html
- https://www.gdp.de/berlin/de
- https://www.aerzteblatt.de/news/deutlich-ueberbelegt-kritik-am-berliner-massregelvollzug-38298999-6c76-45a6-83c6-4e5ce20331ee
- https://www.tagesschau.de/wirtschaft/arbeitsmarkt/tarifverhandlungen-oeffentlicher-dienst-116.html